ctl4510
Gemeindebau in postmoderner Wirklichkeit
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ctl4510 ist ein Wahlpflichtmodul für den M.A. in Praktischer Theologie
Credits: 30
Studienaufwand:
Seminare: 30,00 Stunden
Unterrichtseinheiten: 30,00 Stunden
Eigenstudienzeit: 210,00 Stunden
Gesamt: 270,00 Stunden
Ziele:
Dieses Modul will die Studierenden darauf vorbereiten, die kulturellen und geistigen Rahmenbedingungen christlicher Existenz im Deutschland des 21. Jahrhunderts zu reflektieren. Dazu gehört es, die vorherrschenden philosophischen und gesellschaftlichen Strömungen zu untersuchen und ihren Einfluss auf die Menschen innerhalb und außerhalb der christlichen Gemeinde herauszuarbeiten. Auf diesem Hintergrund sollen Theologie und Soziologie miteinander ins Verhältnis gesetzt sowie Antworten formuliert werden, wie gemeindliches Leben angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlich-kirchlichen Lage klar und engagiert gelebt werden kann. Die Studierenden werden angemessene Verkündigungsformen reflektieren sowie biblisch-theologisch verantwortete und gesellschaftlich relevante Gemeindestrukturen erarbeiten.
Syllabus:
- Soziologische Schlüsselbegriffe für das Verständnis der gegenwärtigen Gesellschaft
- Philosophische Überzeugungen, die unsere Gesellschaft bestimmen
- Dialogregeln für das Gespräch mit säkularen Zeitgenossen
- Kirche in der Welt - Welt in der Kirche: Gemeindebaukonzeptionen und deren theologische Beurteilung
- Bewährung biblisch-theologischer Leitlinien im Blick auf konkrete Gemeindemodelle
- Individualismus und Erlebnissehnsucht als Herausforderung und Chance für das christliche Individuum und die christliche Gemeinde
- Kennenlernen maßgeblicher ekklesiologischer und soziologischer Entwürfe
- Reflektion der Bedeutung des Gottesdienstes für den Gemeindeaufbau
- Chancen des Evangeliums in der Postmoderne - Chancen des Evangeliums für die Postmoderne
Lernziele:
Kenntnisse
Bei Abschluss dieses Moduls wird erwartet, dass die Studierenden Folgendes erworben haben:
- eine Kenntnis der weltanschaulichen und kulturellen Phänomene postmoderner und säkularer Lebenswelt
- ein verstärktes Verständnis soziologischer und philosophischer Erklärungsmuster für die gegenwärtige gesellschaftliche Situation in Europa
- eine fortgeschrittene Vertrautheit mit unterschiedlichen praktisch-theologischen Entwürfen zum Gemeindeaufbau und deren theologischen wie gesellschaftlichen Hintergründen und Rahmenbedingungen
- eine reflektierte und differenzierte Anschauung der Herausforderungen für christliche Gemeinden in zeitgenössischen Kontexten
Fähigkeiten
Die Studierenden sollen fähig sein
- theologisch reflektierte Prinzipien des Gemeindeaufbaus anzuwenden
- Phänomene gegenwärtiger Lebensphilosophie und Gesellschaft theologisch differenziert einzuordnen und zu bewerten
- Chancen in der Vermittlung zwischen Evangelium und gegenwärtiger gesellschaftlicher Wirklichkeit zu erkennen
- Gemeinde als eine für säkularisierte Kultur durchlässige und für sie programmatisch offene Lebenswelt zu gestalten
Lehr- und Lernstrategien:
Zur Vorbereitung des ersten Intensivseminars studieren die Studierenden den Reader und bereiten die Texte so auf, dass sie diese in eine kritisch-konstruktive Debatte einfließen lassen können. Die Teilnahme an den Gesprächsgängen der einzelnen Einheiten zählt nicht für die Gesamtnote, bildet aber einen wesentlichen Teil des Lernprozesses.
Weiterhin bringen die Teilnehmenden zum ersten Modul einen eigenen Primärtext mit, der sich in besonderer Weise auf die gegenwärtige Lebenswelt einlässt bzw. sich mit ihr auseinandersetzt. Dabei kann es sich um eine Predigt oder Andacht, einen Pressetext, das Protokoll eines Seelsorgegesprächs oder ähnliches handeln.
In der Zeit zwischen den beiden Intensivseminaren bereiten die Studierenden eine schriftliche Analyse ihrer eigenen Gemeindesituation vor, in der sowohl die Diskussion des Moduls als auch ihre eigene Erfahrung in einen Dialog münden. Ein thematischer Schwerpunkt – beispielsweise der Öffentlichkeitsarbeit, Predigt- oder Seelsorgelehre – soll dabei unter Rückgriff auf einschlägige Fachliteratur vertieft und aufbereitet werden. Die Grundlage dafür kann der zum ersten Intensivseminar mitgebrachte Text bieten, aber auch eine vom Lehrenden vorgeschlagene Fragestellung. Die Teilnehmer sollen fähig sein, ihr Arbeitsergebnis während des zweiten Intensivseminars innerhalb von ca. 90 min zu präsentieren.
Die Schwerpunkte des zweiten Intensivseminars sind mehr pastoraltheologischer sowie grundsätzlicher Art und beschäftigen sich mit Fragen der Gemeindestruktur und verschiedener Facetten der Ekklesiologie. Auch hier bilden der Input des Dozenten und die Diskussion der Studierenden den zentralen Teil des Lernprozesses.
Leistungsnachweise:
- Präsentation (Analyse der eigenen Gemeindesituation) während des zweiten Intensivseminars. 20 %
- Seminararbeit (18-20 Seiten). 80 %
Basislehrmaterial (1-8 = Reader [Pflichtliteratur]):
- Abraham, Martin: Druckvorlage zu „Evangelium und Kirchengestalt“, 291f.316-324.356-365.372-375.410-419.428-430.461-463.513-519.552-556. (Es handelt sich hierbei um z.T. stark verdichtete Thesen, die im Modul entfaltet und diskutiert werden können.).
- Bieritz, Karl-Heinz: Anthropologische Grundlegung, in: Handbuch der Liturgik, 96-127.
- Hemminger, Hansjörg: Weltanschauliche Trends 2006. Gründe für den Auszug aus den Volkskirchen. ThB 37 (2006), 80-93.
- Hempelmann, Heinzpeter: „Wir haben den Horizont weggewischt.“ Das Evangelium verkündigen unter den Bedingungen der Postmoderne. ThB 30 (1999), 32-49.
- Michel, Karl-Heinz: Entkirchlichung als Herausforderung und Chance. Beobachtungen und Gedanken zur Situation in den neuen Bundesländern. ThB 30 (1999), 101-106.
- Ratzmann, Wolfgang: Zwischen Erlebnis und Risiko - Neue Spiritualität und alter Gottesdienst? In: Herausforderung Gottesdienst. Beiträge zu Liturgie und Spiritualität Bd.1, Leipzig 1997, 12-63.
- Stengel, Friedemann: Zwischen Abbruch, Umbruch und Aufbruch. Eindrücke zur kirchlichen Lage in der ostdeutschen Provinz. DtPfrBl 104 (2004), 451-456.
- Zimmermann, Johannes: Auf dem Weg zur Gemeinde der Zukunft. Gemeindeaufbau vor neuen Herausforderungen. ThB 36 (2005), 30-43.
- Douglass, Klaus: Die neue Reformation. 96 Thesen zur Zukunft der Kirche, Stuttgart 32001.
- Hempelmann, Heinzpeter: Gott in der Erlebnisgesellschaft. Postmoderne als theologische Herausforderung, Wuppertal 22003.
- Herbst, Michael: Missionarischer Gemeindeaufbau in der Volkskirche. Arbeiten zur Theologie Bd. 76, Stuttgart 41996.
- Hildebrandt, Judith: Pietistischer Gemeindeaufbau zwischen Gemeinschaft und Gemeinde. Das Gemeindeverständnis der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland im Vergleich zum Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband, Neuhausen 1998.
- Huber, Wolfgang u.a. (Hg.): Kirche in der Vielfalt der Lebensbezüge. Die vierte EKD-Erhebung über Kirchenmitgliedschaft, Gütersloh 2006.
- Kimball, Dan: Emerging Church. Die postmoderne Kirche. Spiritualität und Gemeinde für die neue Generation, Asslar 2005.
- Logan, Robert E.: Mehr als Gemeindewachstum, Frankfurt/M. 1992.
- McGavran, Donald: Gemeindewachstum verstehen, Lörrach 1990.
- Mette, Jürgen (Hg.): Impulsbuch Offener Gottesdienst. Material für Gottesdienste mit Kirchendistanzierten, Wuppertal 1998.
- Rat der EKD: Kirche der Freiheit. Perspektiven für die Evangelische Kirche im 21. Jahrhundert. Ein Impulspapier des Rates der EKD, Hannover 2006.
- Schulze, Gerhard: Die Erlebnisgesellschaft. Kultursoziologie der Gegenwart, Frankfurt/Main 82000.
- Schwarz, Christian A.: Die Praxis der natürlichen Gemeindeentwicklung, Kassel 21998.
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