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Dogmatik Prolegomena

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Semester: 4
Credits: 20

Studienaufwand pro Woche:
5 Unterrichtseinheiten (je 45 Minuten)
8,25 Zeitstunden Eigenstudium

Begründung und Ziele:

Theologische Theoriebildung vollzieht sich weder kontext- noch voraussetzungslos. Bevor die „eigentliche“ materiale Dogmatik entfaltet wird, gilt es Vor-Fragen zu behandeln. Die Prolegomena-Reflexion soll Antworten ermöglichen auf die Fragen:

  1. (Inwiefern) ist es überhaupt möglich, eine Dogmatik zu entwerfen, also über Gott zu reden?
  2. Was sind die normativen, maßgebenden Quellen für christliche Dogmatik?
  3. Wie begründet sich die Autorität der Heiligen Schrift?
  4. Verbinden Theologie und Kirche mit ihren Aussagen einen vernünftigen Anspruch? (Ist Theologie eine Wissenschaft? Kann man Gott beweisen? Wie verhalten sich Glaube und Vernunft zueinander?)
  5. Was heißt „biblisch denken“?

Philosophische Positionen sind von großer Bedeutung für Theologie, Glaube und Kirche. Daher sollen Philosophen vorgestellt werden, die von besonderer Bedeutung für die abendländische christliche Theologie sind. Die Studierenden sollen die Wirkung auf bzw. Wechselwirkung mit Theologie, Kirche und Gesellschaft mindestens ansatzweise einsehen. Weiterhin sollen die Studierenden in diesem Modul eine Einführung zu den wichtigsten Persönlichkeiten und Ereignissen der Theologiegeschichte der Neuzeit erhalten, um so ein geschichtliches Verstehen dogmatischer Positionen zu erleichtern.

Syllabus:

  • Quellen theologischer Erkenntnis (Glaube, Erfahrung und Geschichte, Weisen der Gotteserkenntnis)
  • Schriftlehre (Bibliologie)
  • Autorität der Bibel, Inspiration, Kanon
  • Theologie als Wissenschaft
  • Klassische und moderne Gottesbeweise (Darstellung, Sinn und Kritik)
  • Rationalitätskonzeptionen  und ihre Kritik, einflussreiche Modelle der Verhältnisbestimmung von Glauben und Wissen, von Offenbarung und Vernunft
  • Eigenart, Problem und Bedeutung eines (hebräisch-) biblischen Denkens
  • Aristoteles und Plato (als Vertreter antiker Grundlegung abendländischen Philosophierens)
  • Thomas von Aquin und/oder Anselm von Canterbury (für mittelalterliche Verhältnisbestimmungen von Glaube und Vernunft)
  • René Descartes (als Begründer neuzeitlicher Philosophie)
  • Immanuel Kant und Georg Wilhelm Friedrich Hegel (für idealistische Subjektphilosophie)
  • Sören Kierkegaard und/oder Martin Heidegger (für existenzphilosophische und metaphysikkritische Neuansätze)
  • Karl R. Popper und/oder Ludwig Wittgenstein (für eine szientistische Kritik und Begründung von Philosophie)
  • Friedrich Nietzsche und/oder Jacques Derrida (oder ein anderer Vertreter postmodernen Philosophierens für die sprachphilosophische, radikale Methaphysikkritik der Postmoderne)
  • Theologische Entwicklungen im 19. und 20. Jahrhundert (Schleiermacher, Ritschl, Harnack, Schlatter, Barth, Bultmann, Pannenberg)

Lernziele:

Es wird erwartet, dass die Studierenden folgendes entwickeln:

  • eine Kenntnis der wichtigsten Gottesbeweise und Verhältnisbestimmungen von Glaube und Denken/Offenbarung und Vernunft und die Fähigkeit, diese kritisch zu bewerten sowie eine eigene Position zu bilden
  • eine Kenntnis der wichtigsten Daten des Lebens und Wirkens einiger einflussreicher Philosophen
  • die Einsicht, wie ihr eigenes Denken durch „philosophische“ Voraussetzungen und Vorentscheidungen mitbestimmt ist

Lernziele Fähigkeiten:

Die Studierenden sollen fähig sein

  • sich Rechenschaft darüber abzulegen, wie ein dogmatisches Urteil entsteht
  • die Autorität der Heiligen Schrift zu begründen
  • die Eigenart (hebräisch-) biblischen Denkens zu erkennen und zu bestimmen
  • den Bezug wichtiger philosophischer Positionen zum christlichen Glauben (zu Kirche, Theologie und persönlichem Glauben) zu beschreiben
  • philosophische Ansätze konstruktiv anzugehen, d.h. nicht sie pauschal zu negieren, sondern die erarbeiteten Positionen und Strömungen für ihr eigenes Denken, Leben und ihren eigenen Glauben fruchtbar zu machen
  • theologische Positionen im Kontext der Theologiegeschichte zu erkennen und zu verstehen

Leistungsnachweis:

Klausur (120 Min.). 100 %

Basislehrmaterial:

  1. Auszüge aus wirkungsgeschichtlich relevanten Dogmatiken (z.B. von Karl Barth, Paul Althaus oder Wolfhart Pannenberg).
  2. Bockmühl, Klaus: Verantwortung des Glaubens im Wandel der Zeit. Theologie im 19. und 20. Jahrhundert, BWA III/3, Gießen 2001.
  3. Hempelmann, Heinzpeter: Nicht auf der Schrift, sondern unter ihr, Bad Liebenzell 2000.
  4. Hersch, Jeanne: Das philosophische Staunen. Einblicke in die Geschichte des Denkens, München 72000.
  5. Hirschberger, Johannes: Geschichte der Philosophie, Bd. 1: Altertum und Mittelalter; Bd. 2: Neuzeit und Gegenwart, Freiburg 131991.
  6. Leonhardt, Rochus: Grundinformation Dogmatik. Ein Lehr- und Arbeitsbuch für das Studium der Theologie, Göttingen 2001.
  7. McGrath, Alister E., Der Weg der christlichen Theologie. Eine Einführung, München 1997.
  8. Pannenberg, Wolfhart: Theologie und Philosophie. Ihr Verhältnis im Lichte ihrer gemeinsamen Geschichte, Göttingen 1996.
  9. Stuhlmacher, Peter: Vom Verstehen des Neuen Testaments. Eine Hermeneutik (GNT 6), Göttingen 21986.